Die ersten vier der beschriebenen Höhlen (1824/100 - 103) befinden sich in der Nordostflanke des Urmannsberges bei Kienberg. Im Zuge einer Geländebegehung im Horeckgraben (Teilgruppe 1836) konnte am südseitigen Ufer der Erlauf - in der Teilgruppe 1824 - eine markante Uferhöhle gesichtet werden. Die anschließend durchgeführte Erkundung und Vermessung erbrachte eine katasterwürdige Höhle, die als Nummer 100 in der Teilgruppe 1824 in den Kataster aufgenommen wurde. Entgegen einer früher teilweise geübten Praxis wird derartigen, im Konglomerat-Gestein angelegten Objekten, eine Aufnahme in den Höhlenkataster nicht mehr verwehrt.
Zusätzlich zur Uferhöhle wurden im höhergelegenen Abschnitt des Urmannsberg-Nordosthanges drei weitere kleine Höhlen entdeckt, obwohl das Gebiet höhlenkundlich bereits gut bearbeitet war, wobei eine Höhle (Urmannsbergportal, 1824/103) nur in Kletterei erreichbar ist.
Die letzte der beschriebenen Höhlen liegt 6,2 km weiter südöstlich im Notental, einem dem Nestelberggraben westwärts angegliedertem Seitengraben mit einem zumeist trockenen Bachbett. Der Ursprung dieses etwa 150 m langen Bachbettes ist ein selten aktiver Quellaustritt, wobei von W. Fischer am in diesem Bereich eine markante, auswärts gerichtete Wetterführung festgestellt und in der anschließenden Hochwassersituation am (etwa ein 30-jähriges Hochwasser in diesem Gebiet) ein Überlaufen entlang des Quell-Horizonts zwischen Blockwerk und Hangschutt mit einigen hundert Litern pro Sekunde beobachtet wurde. Bei einer weiteren Geländebegehung im hintersten Talschluss des Notentales wurde direkt neben einer Forststraße ein weiteres Objekt mit auswärts gerichteter Wetterführung aufgefunden, die Notentalspalte (1824/104).
Urmannsau-Uferhöhle (1824/100)
Basisdaten: L 8 m, H +2 m, HE 26 m, Sh 385 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: In der Urmannsau, 530 m NNW der Kote 393 (Straßenabzweigung von der Urmannsau Richtung Filzmoossattel bzw. Gaming), südöstlich von Kienberg bei Gaming.
Zustieg: Etwa 150 m westlich der zur Horeckgraben-Forststraße führenden Brücke über die Erlauf, steigt man am südseitigen Erlauf-Ufer die steile Böschung von der Straße etwa 10 Höhenmeter bis zum Flussufer ab. Am Ufer quert man dann 30 m bis zum Portal in östliche Richtung zurück.
Beschreibung:Vom 26 m breiten und 3,5 m hohen Portal erstreckt sich die niedriger werdende, im Konglomerat angelegte Halbhöhle 6 m weit bergwärts. Der Boden besteht im westlichen Teil aus sandigen Sedimenten, an der ansteigenden Ostseite aus Blockwerk, wobei hier bereits bei Normalwasserstand ein Teil von der Erlauf überflutet ist. An der südöstlichen Rückwand setzt oberhalb einer kleinen Stufe ein knapp 2 m langer, blockiger Schluf an.
An der Trauflinie hängen Efeusträucher herab.
Erforschung und Vermessung: Die Auffindung und Vermessung erfolgte am durch R. und W. Fischer.
Grenzhalbhöhle (1824/101)
Basisdaten: L 6 m, H +1 m, HE 10 m, Sh 500 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: In der Urmannsau, 1 km WNW der Kote 393, südöstlich von Kienberg bei Gaming.
Zustieg: Etwa 900 m nordwestlich der Kote 393 in der Urmannsau zweigt eine Forststraße ("Hametnerstraße") in die Nordseite des Urmannsberges ab. Nach etwa 450 m hält man sich bei einer Verzweigung nach links und folgt der in den NO-Hang querenden Straße weitere 350 m bis zu einer den Steilhang herabziehenden Felsstufe. Westlich der Stufe erklimmt man die steile Böschung und steigt danach den Waldhang entlang der Abbruchkante etwa 30 Höhenmeter bis zu einem querenden Wildwechsel auf. Der Wildwechsel überwindet östlich (links) an einer günstigen Stelle die Felsstufe einige Meter hinunter zum Wandfuß. Im unmittelbar oberhalb gelegenen Felswinkel befindet sich die Halbhöhle an einer Grundstücksgrenze (Vermessungszeichen).
Beschreibung: An das 10 m breite und 2 m hohe Portal schließt ein schmäler und niedriger werdender Höhlenraum an, von dessen Ende eine kurze Fuge aufwärts zieht. Der ebene Boden besteht aus Laub, Sedimenten und etwas Feinschutt und Blockwerk.
Erforschung und Vermessung: Die Auffindung erfolgte am durch W. Fischer, die Vermessung am durch R. und W. Fischer.
Urmannsbergkammer (1824/102)
Basisdaten: L 7 m, H 0 m, HE 9 m, Sh 540 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: In der Urmannsau, 900 m WNW der Kote 393, südöstlich von Kienberg bei Gaming.
Zustieg: Von der Grenzhalbhöhle (1824/101) umrundet man den ostwärts befindlichen Felspfeiler und steigt den steilen Waldhang in Falllinie weitere 30 Höhenmeter bis zu einem schlecht kenntlichen, querenden Jagdsteig auf. Diesem folgt man unterhalb von Felsbildungen in Richtung OSO (links), wobei man nach 60 m an der Urmannsberghöhle (1824/40, Sh 535 m, siehe HKM 12/1987) vorbeikommt. Nach insgesamt 80 m öffnet sich die Urmannsbergkammer am Fuß von niederen Felsbildungen, etwa 10 Schrägmeter oberhalb des Steiges.
Beschreibung: Der 5 m breite und 1 m hohe Eingang verjüngt sich nach 2 m auf eine Breite von 2 m und eine Höhe von 0,3 bis 0,5 m. Nach der Engstelle befindet sich eine maximal 1,2 m hohe und 5 m breite Kammer, die sich als schmäler werdenden Kriechgang noch einige Meter fortsetzt. Der ebene Boden besteht im Eingangsbereich aus Laub, in der Kammer und im Kriechgang aus Lehm und einzelnen Blöcken. Bescheidene Wandsinterbildungen zieren den hinteren Abschnitt.
Erforschung und Vermessung: Die Auffindung erfolgte am durch W. Fischer, die Vermessung wurde am von R. und W. Fischer durchgeführt.
Urmannsbergportal (1824/103)
Basisdaten: L 14 m, H +6 m, HE 16 m, Sh 560 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: In der Urmannsau, 970 m WNW der Kote 393, südöstlich von Kienberg bei Gaming.
Zustieg: Wenn man vom Jagdsteig (siehe bei 1824/102) anstatt zu queren weiter in Falllinie aufsteigt, kommt man zwischen flankierenden Felsbildungen zum Fuß bedeutender Wände. Von einem rechts gelegenen Absatz ist es möglich, 15 m hoch zum in der Felswand liegenden Portal emporzuklettern (II-III).
Beschreibung: Das Portal ist 13 m breit, 8 m hoch und durch eine Felsrippe in zwei Teile getrennt. Der westliche Teil führt ansteigend über Schutt und Sedimente bei abnehmenden Dimensionen 12 m bergwärts. Oberhalb der gestuften Felsrippe setzt an der Rückwand ein 2 m langer Schluf an, östlich davon befindet sich ein seichter Halbhöhlenraum, in dem etliche größere Blöcke lagern.
Erforschung und Vermessung: Die Auffindung erfolgte am durch W. Fischer, die Vermessung am durch R. Fischer.
Notentalspalte (1824/104)
Basisdaten: L 10 m, H -4 m, HE 6 m, Sh 810 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: Westlich vom Nestelberggraben, 400 m S Anwesen Schönwald, südöstlich von Gaming.
Zustieg Von der Straße Richtung Nestelberg zweigt im Nestelberggraben in einer Seehöhe von 588 m mit einer Brücke über den Nestelbergbach ein Traktorweg ins westwärts ziehende Notental ab. Diesem folgt man 850 m weit aufwärts, bis er sich in einer Seehöhe von 720 m im Gestrüpp verliert. Hier gabelt sich das Tal in zwei Äste, wobei der nach SW ziehende Graben die kürzere Zustiegsvariante darstellt. Nahe der Tiefenlinie aufsteigend, trifft man in einer Seehöhe von 800 m auf eine querende Forststraße, wo sich nach 120 m in nördlicher Richtung die Höhle in der felsigen, bergseitigen Böschung öffnet. Die Höhle ist auch, gemütlicher, aber nicht kürzer, durch eine Wanderung vom Raneck (954 m) bei Lackenhof über markierte Wege und Forststraßen erreichbar.
Beschreibung: Der schlitzartige, 3,5 m hohe Einstieg öffnet sich in der Böschung 2 m über dem Forststraßenniveau am Fuß einer Felswand. Das umgebende, dünnschichtige Gestein des Gutensteinerkalkes ist sehr labil und bei der geringsten Berührung lösen sich bereits Bruchstücke ab. Über eine 1 m tiefe Stufe steigt man vorsichtig in eine maximal 1 m breite, bis knapp 4 m hohe, steil abwärtsführende Kluftstrecke hinab. Der Boden besteht aus erdig-sandigen Sedimenten und losem Blockwerk. Nach einer Bückstelle beim tiefsten Punkt gelangt man in eine bescheidene Raumerweiterung mit 2 m Höhe, 1 m Breite und grobem Blockboden. Einer weiterziehenden, unschliefbar schmalen Spalte entströmte am Tag der Vermessung eine deutliche Wetterführung, die auch in der Böschung vor der Höhle spürbar war. An der Decke der Kammer setzt noch ein kurzer Schrägschlot an. Bemerkenswert sind dünnschichtige Gesteinsfalten sowie weiß bis orange gefärbte Wand- und Knöpfchensinterbildungen.
Erforschung und Vermessung: Die Auffindung erfolgte am durch W. Fischer, die Vermessung wurde am durch R. und W. Fischer nachgeholt.
Literatur:
- KÖRNER, M. (1987): Höhlen im Urmannsberg bei Kienberg. - Höhlenkundliche Mitteilungen, Wien, 43 (12): 248-249.