Artikel in HKM 10-12/2026:

Zwei neue Kleinhöhlen in der Urmannsau bei Kienberg (Teilgruppe 1836)

von Reinhard und Walter Fischer

Bei mehreren Geländebegehungen durch die Autoren im Frühjahr 2026 im Bereich östlich des Forsthauses Urmannsau bei Kienberg konnten zwei neue Kleinhöhlen aufgefunden und bearbeitet werden.

Hochkogelloch (1836/201)

Basisdaten: L 7 m, H 0 m, He 8 m, Sh 550 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: In den steilen, felsdurchsetzten Südabhängen des Hochkogels (751 m), östlich des Fh. Urmannsau, SSO Kienberg.
Zustieg: 380 m nördlich des Fh. Urmannsau überquert man eine Brücke über die Erlauf in südöstliche Richtung (Fahrverbot) und folgt der anschließenden Forststraße zunächst etwa 450 m ansteigend Richtung SSO bis zu einer Straßenkehre mit Abzweigung. Von hier hält man sich geradeaus weitere 450 m ansteigend Richtung SSO wobei die Forststraße allmählich in einen teils verwachsenen und mit umgestürzten Bäumen bedeckten Karrenweg übergeht. Dieser Karrenweg war die alte Straße zu den ehemaligen Gehöften Sommersberg, Kreutzstein und Abstal. Bei einem Rücken wendet sich der Weg nach O. Nach weiteren 500 leicht abfallenden Metern steigt man nördlich den steilen, teilweise felsdurchsetzten Waldhang 50 Höhenmeter in Falllinie auf, bis man auf sperrende Felsbildungen stößt. Hier befindet sich am Fuß der Eingang.
Beschreibung: Das südostschauende Portal ist 5 m breit und bis zu 2,5 m hoch. Der dahinter anschließende, ebene Höhlenraum verjüngt sich kontinuierlich bis er nach 7 m unschliefbar niedrig wird. Der Boden besteht im Eingangsbereich aus eingewehtem Laub, dahinter aus erdigen Sedimenten und vereinzelten kleineren Blöcken.
Erforschung und Vermessung: Im Zuge einer Geländebegehung durch die Autoren am durch R. Fischer entdeckt und vollständig dokumentiert.

Grafenwartfuge (1836/202)

Basisdaten: L 11 m, H +4 m, He 12 m, Sh 660 m, ÖK4204 bzw. ÖK72.
Lage: Im Steilgelände zwischen Bockmauer und Grafenwart (883 m), nordöstlich des Fh. Urmannsau, SO Kienberg.
Zustieg: Wie bei 1836/201 überquert man die Brücke über die Erlauf und folgt der anschließenden Forststraße. Bei der ersten Kehre hält man sich nun aber nicht geradeaus, sondern folgt der Straße, die sich in vielen Kehren nach O aufwärts zu einem Sattel (Georgpass, Sh 688 m) nördlich des Hochkogels windet. In einer Seehöhe von 645 m (etwa 40 Hm unterhalb des Sattels) zweigt nördlich bei der zehnten Kehre eine weitere Forststraße ab, die über die Bockmauer hinweg in den Klausgraben Richtung Grafenwart zieht. Nach gut 550 m verlässt man die Straße und steigt den steilen Waldhang in Falllinie 10 Höhenmeter ab, dann weitere 5 Höhenmeter teils kletternd auf einen schmalen Absatz im felsdurchsetzten Steilgelände (eventuell Halteseil). Der Absatz leitet ostwärts nach 10 m zu einer niederen Felswand mit dem langgestreckten Portal der Höhle, das auch von der Forststraße aus sichtbar ist.
Beschreibung: Das nordwestschauende Portal öffnet sich auf einem abfallenden Felsabsatz, ist 11 m breit und im Mittelteil an der Trauflinie knapp 3 m hoch. Dahinter befindet sich ein durchschnittlich 1,5 m hoher Halbhöhlenraum mit 6 m Tiefenerstreckung. Der ansteigende Boden besteht aus Schutt und sandig-lehmigen Sedimenten, im Südteil aus einer ansteigenden Felsplatte. Gut 2 m vor dem Höhlenende setzt im Deckenbereich oberhalb einer 1,6 m hohen Stufe ein Schluf an, der in eine überlagernde, 3 m breite Fuge führt. Die bis 0,6 m hohe Fuge weist einige unschliefbare Öffnungen zum Halbhöhlenraum auf.
Erforschung und Vermessung: Durch W. Fischer am entdeckt und am vollständig dokumentiert.


Geologie: Die geologische Situation in der Urmannsau zeigt sich recht abwechslungsreich und weist mit dem "Fenster von Urmannsau" und der "Urmannsauer Störung" zwei bedeutende tektonische Besonderheiten auf. Laut Geologischer Karte von A. Ruttner (1962) dürfte das Hochkogelloch in einem schmalen Streifen aus Gutensteiner Kalk (allenfalls Reiflinger Kalk) liegen, während die Grafenwartfuge im Opponitzer Kalk angelegt sein dürfte. Im Hangenden schließt an beide Formationen Hauptdolomit an. Interessant ist, dass sich im Liegenden die Schrambach-Formation aus der deutlich jüngeren Unterkreide befindet. Erklärt wird das damit, dass die hier tiefste alpine tektonische Einheit, die Frankenfelser Decke (Obertrias bis Unterkreide) von der südlich anschließenden nächsthöheren tektonischen Einheit, der Lunzer Decke überfahren wurde. Durch diese Überschiebung kam es zu einer starken Verfaltung der Frankenfelser Decke, die Lunzer Decke hingegen wurde weniger gestört. Die beiden Höhlen liegen in der Umrahmung des von der Erlauf freigelegten "Fensters von Urmannsau" in der Lunzer Decke.
Erwähnenswert ist noch, dass in unmittelbarer Nähe, nahe der Erlauf, in früheren Zeiten eine kleine Erdölquelle existiert hat, die bereits von den Kartäusern von Gaming genutzt wurde. Diese Stelle gab im 20. Jhdt. Anlass zu mehreren Tiefbohrungen (1966 wurde in ca. 3 km Tiefe der kristalline Untergrund erreicht). Mittlerweile wurde diese Erdölquelle allerdings im Zuge eines Brückenbaus verschüttet.

Literatur: