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Artikel in HKM 11-12/2013:

Die Daglis-Quellhöhle im östlichen Dürrensteingebiet (Teilgruppe 1815)

von Walter Fischer und Gerald Lerchecker

Einleitung:
Im Mai 2012 unternahmen Michaela Bader und Gerald Lerchecker eine ausgedehnte Wanderung ins östliche Dürrensteingebiet. Beim Aufstieg zur Herrenalm war vom markierten Weg ein markanter Wasserfall sichtbar, der sich offenbar aus einem direkt oberhalb gelegenen Höhlenportal ergoss. Eine erste Erkundung ergab, dass es sich bei der Quellhöhle auf jeden Fall um eine bislang nicht registrierte katasterwürdige Höhle handelte, ein weiteres Vordringen war wegen der großen Schüttung zur Zeit der Schneeschmelze jedoch nicht möglich.
Es wurde vermutet, dass ein derart augenscheinliches Objekt zumindest bei der einheimischen Bevölkerung bekannt sei und dementsprechend auch bereits einen Namen besitze. Nachforschungen erbrachten aber keine konkreten Hinweise und auch in der Literatur konnte nichts Entsprechendes gefunden werden. Lediglich die unterschiedliche Bezeichnung bzw. Schreibweise der Bäche fiel auf. In der aktuellen österreichischen Karte (Amap online) wird der von der Herrenalm herab kommende Bach, in den das Quellgerinne mündet, als Herrenalmbach bezeichnet, der in weiterer Folge in den Taglesbach mündet und dieser wiederum in die Ois.
In der "Special-Touristen-Karte des Ötscher und Dürrenstein" aus dem Jahr 1893 wird der heutige Herrenalmbach als "Dagles Bach" bezeichnet und der Taglesbach als "Langeck Bach".
Im Jahrbuch des Österreichischen Alpen-Vereines aus dem Jahr 1871 wird auf Seite 210 in dem Artikel "Der Dürrenstein bei Lunz" von Eugen Josef Matz der Bach, der von der Herrenalm bis in die Ois führt als "Daglisbach" benannt:

"Der Daglisbach (Nach Schaubach 'Darglis') hat seinen Ursprung auf der Herrenalpe unweit der Schwaigerhütten, stürzt dann, um in sein oberstes Becken zu gelangen, in einigen prächtigen, knapp hintereinanderliegenden Cascaden, jede mindestens 4- 6° hoch, in geringer Entfernung von den Schwaigerhütten hinab, durchbraust weiter ein enges schönes waldbedecktes Hochthal, dessen links einschliessende Höhen die Turlosalpe und die Daglismauer und die rechts das Thal einsäumenden Höhen die Langauer Alpe (...) ist und mündet links in die Oiss oberhalb von Langau."

Die Verfasser dieses Berichtes haben beschlossen, die alte Bezeichnung "Daglis" bei der Namensgebung der Quellhöhle zu verwenden und auch auf diese Weise zu bewahren.

Zustieg:
Der Zustieg erfolgt von einem Parkplatz (Sh 704 m) bei der Einmündung des Taglesbachs in die Ois zwischen Langau und Holzhüttenboden. Man folgt dem markierten Wanderweg (Alpinweg) auf der orographisch linken Talseite Richtung Herrenalm und verläßt ihn in einer Seehöhe von etwa 930 m und geht weiter entlang einer Forststraße leicht abwärts bis zu einer Kehre der Straße (Hütte) im Talschluß. Von hier ist auf der gegenüberliegenden Talseite bereits der Eingang der Daglis-Quellhöhle (1815/396) oberhalb einer Wasserfallstufe sichtbar. Etwas taleinwärts querend kann man steil zum Herrenalmbach absteigen (Steigspuren), diesen übersetzen und auf der anderen Seite den Hang 30 Höhenmeter aufsteigen und zuletzt talauswärts über einen kleinen Grat zum erst aus nächster Nähe sichtbaren Portal queren (bei Nässe ist ein Halteseil empfehlenswert). Von einem baumbestandenen Absatz unmittelbar NO der Daglis-Quellhöhle kann 10 m tief zum Wasserfallschlot (1815/397) abgeseilt werden, der sich in dem kleinen Felskessel, in den sich der Wasserfall ergießt, ca. 2,5 m über dem Wandfuß öffnet.

Daglis-Quellhöhle (1815/396)

Basisdaten: L 70 m, H +10 m, HE 28 m, Sh 940 m, ÖK72.
Lage: Die Quellhöhle befindet sich oberhalb eines Wasserfalls, etwa 1350 m ONO der Herrenalmhütte im östlichen Dürrensteingebiet. In ÖK50/72 ist ca. 30 m WSW der Höhle eine temporäre Quelle eingetragen.
Beschreibung: Der 10 m breite und bis 3 m hohe Höhleneingang liegt am oberen Ende eines kurzen, in den Herrenalmbach einmündenden Bachbetts und bricht 2 m vor der Trauflinie mit einer gut 10 m tiefen Wasserfallstufe in einen kleinen Felskessel ab. Je nach Wasserangebot tritt das Gerinne direkt aus dem Eingang aus oder aus einer schmalen Spalte unmittelbar darunter. Der niedriger werdende Eingangsbereich ist beidseitig durch Blockwerk und Sedimente begrenzt, die bodenbedeckenden Blöcke sind mit dickem Moosbewuchs überzogen. Nach 7 m spaltet sich die niedere, 4 m breite Strecke bei einer Wasseransammlung zwischen groben Blöcken in drei Fortsetzungen auf.
Die südliche Fortsetzung öffnet sich hinter zwei großen Blöcken unvermittelt als West-Ost ziehender, bis 5 m hoher Kluftgang. Nach 5 m verjüngt sich der Gang zu einem Schluf mit blanker Felssohle und starker Tropftätigkeit, wo nach weiteren 3,5 m eine unschliefbare Engstelle das Vorwärtskommen verhindert. Hinter der Engstelle ist eine kleine Kammer mit wasserbedeckter Sohle sichtbar, die jedoch durch die mittlere der drei Fortsetzungen erreichbar ist. Nördlich des Schlufes ist noch ein kleiner Rundgang um einen teils raumbegrenzenden Block ausgeprägt. Klettert man in den sehr schmalen Deckenbereich des Kluftgangs empor, ist eine aufwärts ziehende, äußerst engräumige Schlufstrecke zugänglich, die nach 7 m in die Endkluft mündet, die einfacher durch die mittlere Fortsetzung erreicht werden kann.
Die mittlere Fortsetzung beginnt als ein in Richtung ONO ziehender Kriechgang, der in einen 7 m langen, 2 m breiten und 2,5 m hohen Kluftraum leitet. Im Mittelteil des Raumes kann man an der südlichen Raumbegrenzung hinter einem großen Block in eine 4 m lange, niedere Strecke hinabschlüpfen, deren Boden größtenteils von einer ca. 30 cm tiefen Wasseransammlung bedeckt ist und die eine unschliefbare Verbindung zum südlich gelegenen Höhlenast aufweist. An der nördlichen Begrenzung des Kluftraumes setzt ein anfangs 3 m breiter, immer schmäler werdender, über Blöcke aufwärts führender Schluf an, der nach 4,5 m bei einer unschliefbaren Tagöffnung endet und linkerhand eine ebenfalls unschliefbare Verbindung zur dritten Fortsetzung aufweist. Der Raum ist in Kluftrichtung zur Gänze mit Lehm und Blockwerk verschlossen, es ist allerdings möglich, engräumig in eine höhere, ebenfalls verblockte Etage aufwärts zu klettern, wo sich markante Knöpfchensinterbildungen finden. Weitere 3 m aufwärts kletternd ist eine bescheidene Erweiterung in der Kluft zugänglich, hier mündet auch der Schluf aus dem südlichen Höhlenast ein. Die weiterziehende Spalte endet verblockt, im Deckenbereich befindet sich der höchste Punkt der Höhle.
Die nördliche der drei Fortsetzungen setzt oberhalb einer Felsplatte an und zieht als niedriger, etwa 1 m breiter Schluf über grobes Blockwerk knapp 4 m in Richtung NO aufwärts. Der Schluf endet mit einer unbefahrbaren Verbindung zur mittleren Fortsetzung, nahe der Tagöffnung.
Wasserführung: Zur Zeit der Schneeschmelze und vermutlich auch nach starken Regenfällen durchfließt der Quellbach die gesamte Höhle und tritt geschätzt mit einigen hundert Sekundenlitern direkt aus dem Portal aus und stürzt in der Folge die 10 m tiefe Wasserfallstufe hinab. Ansonsten entweicht das Gerinne einer schmalen Spalte direkt unterhalb der Höhle und stürzt ebenfalls als Wasserfall hinab. Je nach Wasserstand befinden sich in der Höhle zwei unterschiedlich tiefe Wasseransammlungen: Die erste zwischen groben Blockwerk etwas innerhalb des Einganges und die zweite in einer niederen Strecke zwischen mittlerem und südlichem Höhlenast. Bei den Blöcken an der rechten Seite des Eingangsbereiches ist Wasserrauschen hörbar.
Erforschung und Vermessung: Die Entdeckung und Erkundung des Eingangsbereiches bei starker Wasserführung erfolgte am 23.5.2012 durch M. Bader und G. Lerchecker. Eine erste Vermessungsfahrt am 22.9.2012 durch M. Bader, G. Lerchecker und W. Fischer erbrachte eine Ganglänge von 16 m und die Auffindung einer weiteren Höhle im gleichen Umfeld (Wasserfallschlot 1815/397). Bei einem Besuch der Höhle durch Th. Gundacker und W. Fischer am 28.10.2012 wurden eine engräumige Überlagerung sowie ein wasserführender Schluf eingemessen, die Ganglänge stieg auf 34 m. Die abschließende Vermessung durch G. Lerchecker und W. Fischer am 18.7.2013 ergab die endgültige Ganglänge von 70 m.

Wasserfallschlot (1815/397)

Basisdaten: L 22 m, H +10 m, HE 11 m, Sh 930 m, ÖK72.
Lage: Die Höhle befindet sich in einem kleinen Felskessel, etwa 1350 m ONO der Herrenalmhütte im östlichen Dürrensteingebiet, sowie 10 m NO unterhalb der Daglis-Quellhöhle (1815/396).
Beschreibung: Der knapp 1,5 m breite und 0,5 m hohe Eingang öffnet sich auf einem kleinen Absatz, etwa 2,5 m über dem Wandfuß jenes Felskessels, in dem wenige Meter südlich der Wasserfall von der oberhalb gelegenen Daglis-Quellhöhle herabstürzt. Nach einer kurzen Schluftstrecke über Humus und Blockwerk befindet man sich in einer quer verlaufenden Kluft, die in Kluftrichtung (NO) durch Blöcke verlegt ist und unschliefbar eng wird. Nach oben kann die etwa 2 m breite Strecke entlang eines eingetieften Minicanyons bis zu einem Deckenbereich in 6 m Höhe erklettert werden. Zwischen labilen Blöcken befindet sich hier ein Durchschlupf in eine höhere Etage der Kluft. In Richtung NO gelangt man zu einer kleinen, unschliefbar engen Tagöffnung, südwestlich befindet sich an der Decke der höchste Punkt der Höhle. Eine hier weiter aufwärts ziehende Strecke wird durch grobe Blöcke auf unbefahrbare Ausmaße verengt.
Beobachtungen: Obwohl unterhalb der Daglis-Quellhöhle gelegen, wurde im Wasserfallschlot kein Anzeichen eines aktiven Gerinnes festgestellt. Am 22.9.2012 konnte in der Höhle eine Kleine Hufeisennase beobachtet werden.
Erforschung und Vermessung: Die Höhle wurde am 22.9.2012 durch M. Bader, G. Lerchecker und W. Fischer aufgefunden und erkundet. Die Vermessung erfolgte am 7.9.2013 durch Ch. Gegenhuber und W. Fischer.

Literatur:


Gerald Lerchecker bei der Erkundung des Eingangsbereiches der Daglis-Quellhöhle (1815/396), Foto: M. Bader


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